Der Kampf mit den bösen Geistern

Manchmal sieht man sich von bösen Geistern verfolgt. Als unsere beiden bestenLeichtathletinnen Klara Stockhaus und Lucie Schmied vor genau einem Jahr zur Mitteldeutschen Hallen-Meisterschaft fahren wollten, wurden sie beide kurz vorher krank. Vor zwei Jahren gewann Lucie als 13-Jährige das 3.000-m-Rennen der U 18, wurde aber nicht gewertet, weil sie noch zu jung war. Und in diesem Jahr fiel in der für das Training so wichtigen letzten Woche vor dieser Meisterschaft ein halber Meter Schnee. Eine normale unmittelbare Wettkampf-Vorbereitung im Stadion war nicht möglich. Da fühlt man sich ausgebremst. Man steht – zu allem entschlossen – an der Bushaltestelle, doch wer nicht kommt, das ist der Bus.
Das Auto, mit dem Lucie zur Mitteldeutschen Hallen-Meisterschaft 2026 starten wollte, fuhr erst gar nicht los. Wieder hatte ein Infekt zugeschlagen, über Nacht. Der Mitteldeutsche Hallen-Fluch hielt an, im dritten Jahr in Folge. Da ist man untröstlich. Auch wenn Lucie schon so viel gewonnen hat. Jedes aufmunternde Wort ist Schall und Rauch. Tränen fließen, wie wenn Schneeberge schmelzen.
Also fuhr Klara allein nach Halle an der Saale – zu allem entschlossen. Busse fallen aus, Züge fallen aus, eine Stockhaus beim Wettkampf fällt nicht aus. Im Vorlauf über 60 m Hürden toppte sie ihre Bestzeit erneut um eine ganze Zehntel auf 8,74 s. Das hochklassige Finale war gefühlt der Hürdensprint des Jahres der U 16 in Deutschland. Klara wurde Zweite, abermals mit PB von 8,70 s, nur eine Hundertstel hinter Lenya Mette vom SV Halle und vor allen anderen Sportschülerinnen der großen Clubs. Wie sie das wieder gemacht hat, in Hochform und mit dem „Tier im Kopf“, unfassbar!
Auch im Flachsprint gewann sie ihren Vorlauf und wurde dann im Finale Fünfte in 8,00 s. Hier blieb die erhoffte Leistungssteigerung aus. Körperlich und psychisch schien der Stecker gezogen. Klara sagte hinterher: „Der Hürdenlauf war ein echtes Highlight für mich. Da hat einfach alles geklappt, woran wir im Training gearbeitet haben, und darüber bin ich mega glücklich. Zwei Stunden später im Sprint habe ich
gemerkt, dass mein Körper und mein Kopf nach diesem ganzen Adrenalin und der Anspannung nicht mehr ganz auf demselben Level waren. Das ist eine Erfahrung, aus der ich lerne. Solche Situationen zeigen mir, woran ich noch arbeiten muss.“ In der Nacht nach der Meisterschaft bekam Klara starke Halsschmerzen. Wahrscheinlich war sie in Halle bereits infektiös, und die Kraft reichte nur für 2 statt für 4 Läufe.
Für Klara ist die Hallensaison beendet. Sie hat im tiefen Januar-Winter manch heißen Tanz gezeigt. Mit ihrer speziellen Geschmeidigkeit über den Hürden erinnerte sie an eine Eiskunstläuferin, die mit Eleganz ihre Pirouetten dreht. In Halle wurde sie zum dritten Mal Mitteldeutsche Vizemeisterin. Es war ihre insgesamt 51. Leichtathletik-Medaille! Für Lucie stehen in 3 Wochen die Deutschen Meisterschaften an.
Um dort laufen zu können, muss sie schnell gesund werden. Die bösen Geister mögen sich in ihre Kellerlöcher zurückziehen und die Ratten jagen, aber nicht mehr unsere Mädels.
