Lucie glänzt und strahlt im Glaspalast


Veröffentlicht am 24. Februar 2026 von Alexander Süß

Unlösbare Aufgaben gibt es vielleicht in der Mathematik, aber nicht im Sport. Mit dieser Einstellung fuhr Lucie Schmied zur Deutschen Jugend-Hallen-Meisterschaft der U 20 nach Sindelfingen. Dort trafen auf der 3.000-m-Distanz 15 Läuferinnen aus vier Jahrgängen aufeinander. Die „Schmiedin“ war das mit Abstand jüngste Mädel.

Chancen auf eine vordere Platzierung hatte sie nicht. Mit ihrer im letzten Drittel des Feldes angesiedelten Meldezeit ging es darum, sich achtbar zu halten, sich für ihre Trainingsarbeit mit einer Bestzeit zu belohnen und sich neue Motivation zu holen für den Sommer. Die Renntaktik war auf stabile Rundenzeiten ausgerichtet und auf die Chance, sich von einer kleinen Gruppe mitziehen zu lassen.

Im Glaspalast, einer Kultstätte der deutschen Leichtathletik, fand Lucie mutig in ihr Rennen. Schnell fiel die Nervosität ab. In den neongelben Glücksstrümpfen und mit ihrer frechen Zopf-Frisur, die stets an eine unschlagbare Boxerin erinnert, nahm sie den eigentlich ungleichen Fight gegen die Älteren an. Natürlich wurde es irgendwann in der zweiten Rennhälfte zäh. Aber Lucie ist eine unsterbliche Kämpferin. Sie setzte auch diesmal wieder Energien frei, die sie aus den Tiefen ihres Körpers saugte. Die letzte Muskelzelle wurde aktiviert, das hinterste Lungenbläschen wurde belebt. Wenn der Tank leer zu sein scheint, dann kann Lucie noch dreimal auf Reserve schalten.

Darin ist sie eine Künstlerin. Künstler verdienen eine ordentliche Gage, und Lucie erhielt sie weiß auf schwarz auf der Anzeigetafel: Platz 11 in 10:11,76 min = PB. Lucie war zufrieden mit ihrem Auftritt. „Für mich war es der perfekte Abschluss der Hallensaison. Das Rennen war sehr aufregend, und die warme Luft in der Halle hat es mir nicht gerade leicht gemacht. Durch die gute Konkurrenz und die vielen älteren Athletinnen konnte ich viel Erfahrung sammeln. Am Ende habe ich mich um fünf Sekunden verbessert und bin glücklich wieder nach Hause gefahren.“ Erinnert sei an den langen Winter, der Lucie vor große Herausforderungen stellte. Ihre Dauerläufe waren von Eiseskälte und Schneeverwehungen begleitet, von Tauwetter und Matsch unter den Füßen. Ein dickes Dankeschön geht an Holger Steinbrecher und Guido Baumann, die Teile der Tartanbahn im Stadion über den Zeitraum vieler Wochen so herrichteten, dass die entscheidenden Tempolauf-Programme möglich waren.

Bereits in 14 Tagen steht für Lucie die nächste Deutsche Meisterschaft im Kalender. Dann geht es in die Nähe von Hamburg zum Straßenlauf. 10 Kilometer ist „unser bestes Pferd im Stall“ im Training hunderte Male gelaufen, im Wettkampf noch nie. Es wird eine separate U 18-Wertung geben. Die Konkurrenz ist kaum einzuschätzen. Lucie wird sich auf sich selbst besinnen. Ihr Ziel ist es, bei allem Respekt und der gebotenen Bescheidenheit als kleiner SV Empor Bad Langensalza, es in die Top 6 zu schaffen. Den Status einer Bundeskader-Athletin zu tragen, das bedeutet Ehre und Verpflichtung gleichermaßen. Das weiß Lucie, deshalb wird sie nicht nach Uelzen fahren, um spazieren zu gehen oder Kaffee zu trinken, sondern sie wird das machen, was sie am besten kann: um ihr Leben laufen.