Der Jahrhundertsprint von Klara Stockhaus

Am zweiten Juni-Wochenende starteten neun Leichtathleten der Leistungsgruppe des SV Empor bei den Landeseinzelmeisterschaften in Arnstadt. Die Vorbereitung darauf verlief ohne Probleme. Alle waren gesund und verletzungsfrei geblieben. Gleich am Freitagabend gab es für unsere Hindernisläuferinnen die Optimal-Ausbeute von drei Medaillen zu feiern.
Lucie Schmied gewann die 2.000 m der U 18. Charlotte Hagen siegte über die 1.500 m der W 14 vor Klara Lachmund. Die Felder blieben sehr, sehr überschaubar, was dieses Ergebnis aber nicht schmälern soll. Der Hindernislauf gilt als kraftraubende, technisch anspruchsvolle, fast abenteuerliche Disziplin. Das muss man wollen, und das muss man können. Insofern belohnten sich unsere Mädels für ihren Trainingsfleiß. Gleichwohl, selbstkritisch wie wir sind, Athletinnen und Trainer, die Zeiten hätten besser sein dürfen, windige Bedingungen hin oder her.
Am Samstag steigerten sich die Ergebnisse wie ein Crescendo in der Musik. Zunächst blieb Linda Stadelmann im Weitsprung noch glücklos. Dann zog Ruben Schmied ins 75-m-Finale ein und wurde Fünfter. Marie Trübenbach sprintete zur Bestzeit. Lena Richter („Tante Lenchen“) warf den Speer drei Meter weiter als bisher und holte sich eine unerwartete Bronzemedaille. Lucie fand im 1.500-m-Rennen von Beginn an das richtige Tempo. Nach beeindruckender Aufholjagd und mit einer für sie so typischen Willensleistung, aber auch mit guter Form, schlug sie sogar die beste U 20-Athletin.


Und dann griff Klara Stockhaus ins Geschehen ein. Unsere einzigartige Klara, die an besonders guten Tagen einen Regenbogen biegen kann. Schon im 100-m-Vorlauf der W 15 blieb sie in 12,36 s klar unter ihrer bisherigen PB. Im Finale gelang ihr, man möge uns diese Übertreibung nicht übel nehmen, ein Jahrhundertsprint. In 12,28 s katapultierte sie sich in neue Dimensionen. Und genauso schnell kehren wir zurück zur Bescheidenheit, eine unserer größten Stärken. Später schnappte sich Klara über die 300 m in PB von 42,15 s im Zeitraum einer amtlichen Unwetterwarnung wegen Sturmböen bis 80 km/h den nächsten Titel. Sie rannte dem Sturm einfach davon.
Am Sonntag sorgte Klara für den nächsten Aufreger. Im Vor- und Endlauf über 80 m Hürden unterlag sie ihrer stärksten Konkurrentin Maxima Minchella aus Jena jeweils um fünf Hundertstel. Doch das waren keine bitteren, sondern süße Niederlagen. Denn dahinter stand erneut eine deutliche PB von 11,65 s. Im Finale lief Klara gar „kranke“ 11,45 s, da blies aber der Wind zu stark. Auch Silber glänzt! Danach gewann Ruben, der genau in den richtigen Momenten effektiv agierte, die 800 m. Aaron Fernschild erkämpfte sich über dieselbe Distanz die angestrebte Bestzeit von 2:17 min.
Mit neun Medaillen, davon sechs goldenen, bewegte sich unsere Gruppe am Limit. Lucie und Klara haben im Verlauf des Frühjahrs beide in drei Disziplinen die Normen für die deutschen Meisterschaften erreicht. Sie stehen beide aktuell in den Top 6 der deutschen Bestenlisten. Das muss man erst mal bringen, schließlich kommen wir aus einem kleinen Städtchen. Der Trainer sagt herzlich Danke an das Team einschließlich Vici Dul, die als Helferin im Callroom fast schon unersetzlich geworden ist.
