Lucie sprintet zum Schokoladenweihnachtsmann


Veröffentlicht am 14. Dezember 2025 von Alexander Süß

Am dritten Adventswochenende erleben die Weihnachtsmärkte in aller Regel ihren Besucher-Höhepunkt. Für Lucie Schmied vom SV Empor war am Samstag bereits 6 Uhr Abfahrt nach Dresden – aber nicht zum Weihnachtsmarkt, sondern zum DSCHallenmeeting. Dabei wagte unsere Langstrecken-Spezialistin, Hindernis-, Crossund Straßenläuferin einen Seitensprung zu den Sprinterinnen. Weit entfernt nicht nur
von der Heimat, sondern auch vom typischen Meisterschafts-Druck und der Pflicht, irgendwelche Normen bringen zu müssen, sollte es ein Freud-betonter Einstieg in die Hallensaison werden. Und es kam fast alles so, wie es gerne kommen sollte.

Gleich zu Beginn im 60-m-Sprint gelang Lucie die erhoffte Bestzeit, sie steigerte sich von bisher 9,15 auf 8,90 s. Über die 60 m Hürden verbesserte sich unsere Vorzeige-Athletin aus Henningsleben von 10,52 auf 10,34 s. Auffallend dabei ihr jetzt flüssiger 3er-Rhythmus, ihre filigrane, ästhetische, ja fast majestätische Hürdentechnik, mit der sie viele der Spezialistinnen ausstach. Im Langsprint über die 600 m wollte Lucie wie im Vorjahr aufs Podest, und das klappte auch. Mit einer weiteren Leistungssteigerung von 1:43,5 auf 1:41,5 min wurde sie Dritte in dem stark besetzten 15er-Feld der U 16.

Dafür gab es, auch wie im Vorjahr, als Belohnung den Schokoladenweihnachtsmann, ohne den Lucie die Rückfahrt nicht hätte antreten wollen. Trainer Ronald Schulze fand lobende Worte für seine sprintende Läuferin: „Lucie hat das prima gemacht. Schnelligkeit ist eine Kernkompetenz in der Leichtathletik. Die
Hürden sind die kleinen Schwestern der Hindernisbalken. Eine gute Technik ist da immer vorteilhaft. Die 600 Meter hatten wir uns noch 1 oder 2 Sekunden schneller vorgestellt, aber dafür hat die Frische gefehlt. Das ist ganz normal nach fünf Monaten Grundlagen-Training. Wenn da plötzlich das Laktat hoch schießt, damit musst du erst mal umgehen. Und es war ein langer Tag, drei Starts, drei Erwärmungen, irgendwann
lässt die Spannung nach. Auf jeden Fall hat sich unser 15-Stunden-Ausflug gelohnt.
Es hat Spaß gemacht, danke Lucie!“

Landestrainer Enrico Aßmus reagierte auf die Ergebnisse von Lucie in Dresden mit „alles bestens“. Er, großer Fan von Bad Langensalza, wird nun über den Zeitraum der Hallenwettkämpfe wieder die Trainingssteuerung von Lucie übernehmen. Er wird aus seinem Werkzeugkasten, der groß ist wie ein Wandregal, die Trainingsmittel ziehen, die unsere Bundeskader-Athletin zu einer Weiterentwicklung führen. Lucie und ihr Heimtrainer werden diese Hausaufgaben so gut es geht unter den Gegebenheiten vor Ort umsetzen. Langfristiges Ziel ist eine weitere DM-Medaille im nächsten Sommer.

Das ist ein sehr, sehr großes Ziel im U 18-Alter. Dafür gibt es kein Frei – nicht am heiligen Abend, nicht an den Feiertagen, nicht Silvester, nicht Neujahr. Doch genau das sind die Stärken von Lucie: ihre höchste Arbeitsmoral beim Training, an der sich ausnahmslos alle ein Beispiel nehmen können, und ihr unschlagbarer Patriotismus auf der Laufbahn, wenn sie im Wettkampf jedes Mal gefühlt drei Tode stirbt. Sie tut das gerne, und das ist das Wichtigste.